Somatoforme Störungen Konzept zur Behandlung von somatoforme n Störungen 1. Einführung a) Unsere Erfahrungen mit PatientInnen mit somatoformen Störungen In der psychosomatischen Abteilung der Habichtswaldklinik ist die Gruppe der PatientInnen mit somatoforme n Störungen nach den Gruppen der PatientInnen mit depressiven Störungen und Angststörungen die drittgrößte diagnostische Gruppe. Nicht selten sind somatoforme Störungen auch mit weiteren psychotherapierelevanten Diagnosen wie Angst, Depression, posttraumatische Belastungsstörung und andere vergesellschaftet. Seit Beginn der Arbeit in der psychotherapeutischen Abteilung der Habichtswaldklinik haben wir mit der Behandlung von Menschen mit diesen Störungsbildern viel Erfahrung gesammelt und haben unter Auswertung unserer Erfahrungen und Berücksichtigung der in letzter Zeit umfangreichen Ergebnisse von wissenschaftlichen Forschungen ein ganzheitliches, multimodales und multiprofessionell getragenes Therapiekonzept entwickelt, das zu nachweislich guten Behandlungsergebnissen führt. b) Die Symptomatik der somatoforme n Störungen Der diagnostische Begriff der somatoforme n Störungen ist erst seit den 80-iger Jahren im therapeutischen Sprachgebrauch etabliert und werden als Oberbegriffe für eine Gruppe von PatientInnen gebraucht, bei denen medizinisch nicht erklärbare Körpersymptome im Vordergrund der Beschwerden stehen. Diese beunruhigen die PatientInnen, sie leiden darunter und das führt dazu, dass sie oftmals von Arzt zu Arzt und Behandlungsversuch zu Behandlungsversuch wandern ohne nennenswerten Erfolg. Zuweilen sind bei den PatientInnen auch somatische Störungen vorhanden, die aber nicht das Ausmaß des Leidens und der psychischen Gebundenheit und Beunruhigung erklären können. Die Symptome können sich auf ein Organ oder ein Organsystem beschränken oder schnell oder in größeren Zeitabständen wechseln. Die Symptomatik und die fehlenden medizinischen Befunde, die die Symptomatik erklären würden, führen oft zu langen qualvollen und kostspieligen PatientInnenkarrieren. Im Laufe von Jahren werden zahlreiche Untersuchungen und nicht selten auch viele Operationen ergebnislos durchgeführt. Oftmals entstehen dann aus diagnostischen, therapeutischen und operativen Maßnahmen im Laufe der Jahre weitere krankheitswertige Symptome, die den spezifischen innerseelischen Teufelskreis weiter anheizen. Charakteristisch für Menschen mit somatoforme n Störungen ist, dass sie von Diagnostikern und Behandlern früher oder später als schwierige PatientInnen erlebt und klassifiziert werden und sich nachvollziehbarerweise auch dahin entwickeln, da sich immer wieder Hoffnungen auf den Erfolg medizinischer Interventionen zerschlagen, oftmals von Ärzten dann auch ein Bedürfnis besteht, die PatientInnen weiter zu verweisen an andere Spezialisten, da man selber mit seinen Bemühungen scheitert. Das kommt der Suche der PatientInnen nach der richtigen Diagnose und Behandlung und dem richtigen Behandler entgegen. Wenn dann irgendwann der Verdacht geäußert wird, dass die Störung psychisch sein könnte, da nichts anderes gefunden wird, erleben die PatientInnen dies als ein Abgeschoben- und Abgestempelt-Werden und mit der körperlichen Symptomatik nicht ernst genommen werden, so dass damit keine gute Basis und keine ausreichende Motivation für eine Psychotherapie gegeben ist. Die Symptomatik, unter der PatientInnen mit somatoforme n Störungen leiden, kann unterschiedliche Organsysteme betreffen, so zum Beispiel:
► Das Gastrointestinalsystem (z.B. Bauchschmerzen,
Übelkeit, Überblähung, Erbrechen, 2. Die Behandlung Die Behandlung erfolgt in einem langjährig erfahrenen multiprofessionellen Therapeutenteam unter fachärztlicher Supervision und Leitung. a) Therapieziele Wie oben geschildert, kommen PatientInnen mit somatoforme n Störungen ja in der Regel erst nach einer langen Vorgeschichte zur Aufnahme in stationäre Psychotherapie. Von zentraler Bedeutung ist dann zunächst die Etablierung eines tragfähigen therapeutischen Arbeitsbündnisses. Dem dienst schon die genaue ärztliche Anamneseerhebung, Untersuchung und das Sammeln der Informationen über bisher durchgeführte Diagnostik und Therapie, dem dient ebenso die therapeutische Anamnese, bei der biographische Gesichtspunkte einbezogen werden. Wichtig ist hierbei auch zu eruieren, welche Krankheitsmodelle die PatientIn bereits entwickelt hat, welche Lebenseinschränkungen durch die Beschwerden bestehen, welche Bewältigungsversuche bereits unternommen wurden und inwiefern Motivation zur Psychotherapie vorhanden ist oder erarbeitet werden muss. PatientInnen mit somatoforme n Störungen kommen meist mit verständlichen, aber sehr pauschalen Zielformulierungen in die Psychotherapie nach dem Motto „Ich möchte gesund werden“ oder „Die Beschwerden sollen verschwinden“. In diesen Fällen ist mit dem Ziel, der PatientIn zu helfen, von einem medizinisch/organisch gedachten Störungsmodell zu einem seelisch/physiologischen Störungsmodell zu kommen, zunächst Informationsvermittlung über körperliche und emotionale Zusammenhänge erforderlich. Dem dient auch die Anleitung zur Selbstbeobachtung, um den Einfluss von mentalen, emotionalen und situativen Faktoren auf die Symptomatik erkennen zu lernen. Das Erlernen von Methoden zur Entspannung, um diese eigenständig regelmäßig und situativ gezielt einsetzen zu können und eine psycho-vegetative Umschaltung zu erlernen dient ebenso wie das Entwickeln von geeigneten Coping-Strategien dem großen Ziel der verbesserten Kenntnis des eigenen Körpers und seiner Reaktionsweisen und der Entwicklung von Selbstvertrauen in körperlicher, emotionaler und mentaler Hinsicht. PatientInnen mit somatoforme n Störungen haben oft ein großes Bedürfnis nach Rückversicherung bezüglich körperlich erlebter Symptome und deren Bedeutungen. Hier braucht es eine zunächst dichte Begleitung, die schrittweise zu mehr Autonomie und Selbsteinschätzungskompetenz führt. Im weiteren Verlauf ist der schrittweise Abbau von Schonverhalten, von Vermeidungsverhalten und damit verbunden auch oft die notwendige Aufgabe von sekundärem Krankheitsgewinn wichtig. Dieser Prozess wird unterstützt durch eine Zunahme sozialer Kompetenz und Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit durch entsprechendes Training in der Gruppentherapie. Eine Zunahme von Selbstvertrauen und Belastbarkeit und das verbesserte körperliche Wohlbefinden ermöglichen dann in der letzten Therapiephase ein gezieltes Planen wie mit Alltags- und Berufsbelastungen in Zukunft sinnvoll umgegangen werden kann, so dass die Gefahr von Rückfällen in Krankheit oder krankheitsförderndes Verhalten gemindert wird. b) Die Therapien und ihre grundlegenden Prinzipien Grundlegend wichtig im Sinne der ganzheitlichen Behandlung ist uns die Herstellung und Erhaltung einer die Heilung fördernden, respektvollen, achtsamen und entspannten Atmosphäre. Dies drückt sich auf allen Ebenen aus, von der Gestaltung der Räumlichkeiten bis hin zum mitmenschlichen Kontakt.
Gruppentherapie In den Gruppen wird auf tiefenpsychologisch fundierter Basis unter Einbeziehung kognitiver und systemischer Elemente gearbeitet. Wichtige Elemente in der Gruppentherapie im Sinne der oben formulierten Therapieziele sind das Lernen am Modell der anderen Gruppenteilnehmer, besonders im Hinblick auf den Umgang mit Gefühlen und damit einhergehenden Körpersensationen, aber auch im Hinblick auf das Kommunizieren von Gefühlen im Dienste der Spannungsreduktion und Symptomprävention. Die Gruppe ist auch hilfreich bei der Entwicklung von Coping-Strategien, beim Erkennen der persönlichen belastungs- und spannungsinduzierenden Faktoren und beim Überprüfen bisheriger und gegebenenfalls Entwickeln neuer Kognitionen. Zugleich ist die Gruppe ein Ort der Rückversicherung und der Ermutigung beim Experimentieren mit und Trainieren von neuen Verhaltensweisen und zunehmenden Belastungen.
Körpertherapie
Kunsttherapie
Atemtherapie
Einzeltherapie
Ärztliche Behandlung
Entspannung und Aktivierung
Ressourcenfördernde Angebote
Freizeit c) Zusammenarbeit mit ambulanten Behandlern und Kostenträgern Sowohl im ärztlichen als auch im therapeutischen Bereich legen wir Wert auf eine gute Kooperation mit den ambulanten Behandlern, die ihre PatientInnen oft über viele Jahre kennen und begleiten und einen genauen Überblick über bisher durchgeführte diagnostische und therapeutische Maßnahmen haben. Für die Kostenträger wird es zunehmend wichtig, auch im Hinblick auf sinnvolle und zielführende Geldausgaben gerade bei PatientInnen mit somatoformen Funktionsstörungen und Somatisierungsstörungen und den damit verbundenen hohen Behandlungskosten, die zu keinem Erfolg führen, Gesamtbehandlungskonzepte im Auge zu haben und mit den Behandlern zusammen zu entwickeln. Wo immer möglich, sind wir hier jederzeit zu konstruktiver Zusammenarbeit bereit. 3. Ergebnisse Unsere Behandlungsergebnisse bei PatientInnen mit somatoforme n Störungen sind in zweierlei Hinsicht sehr gut: Zum einen in der Beurteilung der PatientInnen über Symptomverbesserung und Wiedergewinnung von Lebenslust, Belastbarkeit und Arbeitsfähigkeit, zum anderen unter Berücksichtigung des Preis/Leistungs-Verhältnisses: Gute Ergebnisse erreichen wir mit kurzen Aufenthaltsdauern, so dass die Gesamtbehandlungskosten in der Klinik niedrig liegen. Seit 1998 wird unsere Basisdokumentation von Herrn Professor Dr. Koch und Mitarbeitern, psychologische Abteilung der Universität Hamburg Eppendorf, ausgewertet. Bezogen auf die im Jahr 2001 behandelten PatientInnen erfolgte erstmals eine ausführliche, ebenfalls von Herrn Professor Dr. Koch durchgeführte und evaluierte Katamneseerhebung mit erfreulichen Ergebnissen. Der ausführliche Evaluationsbericht steht zur Einsicht zur Verfügung. Tilla Fischer
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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